Donnerstag, 16. August 2012

° osmose

du spürst nie wie es mir geht oder
hast du je das gefühl gehabt ein dir körperfremdes und in anbetracht deiner selbst unwahrscheinliches gefühl zu spüren
nein oder
ich sollte besser mit dieser illusion brechen
warum glaube ich daran
warum glaube ich es implizit
ohne zusätzliche worte

*

kann man einen glauben aufgeben
mit ihm brechen wenn er einen zugrunde richtet oder gar / somit die umwelt

diktatur der seele
ausweitung der kampfzone
die menschliche kommunikation : osmose
die synthese von selbst und reflexion führt zu nichts

nach der metamorphose wurden die wände undurchlässig
verkrusten
der selbstschutz walzte die texturen von körper und seele glatt
nun fehlt nur mehr eine politur
dann blendend
dann brillianz
wir wollen doch geblendet werden
***
doch --
einer dieser augenblicke, in denen sich das eigene leben kondensiert [lebensgefühl]
und ich weiß nun, warum ich daran glaube, dass ein gegenüber mich spüren kann, implizit
weil das gegenüber dem leben auf eine mir gleichsame weise das lebenswerte zuspricht, annimmt
***

Dienstag, 14. August 2012

ein tag ist wie ein monat ist wie eine minute ist wie ein jahr // aussagen


ich bin aufgeklärte vernunft
ich bin besonnener romantiker
ich bin gleichberechtigte frau
ich bin ein gleichwertiges mitglied eines sozialgefüges

NEIN

[...]

"seine gesichtszüge entgleisten"

*

bin ich ein ästhet ohne moral?
verwechsle ich ständig das, was ich für wahr halte, mit einer >besseren< wahrheit?
ich dachte, das realisieren des eigenen bestmöglichen wäre nicht nur für einen selbst, sondern auch für die unmittelbare oder allgemeine umwelt das anzustrebende, mögliche gute.
eine art weg zum lebenssinn.
///HALT///
sind meine bilder nur kompensationen?
weil ich mich mit keinem konkreten und stabilen lebensentwurf zufrieden gebe, diesen erstmals realisieren sollte, um überhaupt so darüber zu urteilen...
liegt mein fehlerhaftes darin, worte und sprache in ihrer funktion nicht selbstverständlich hinzunehmen?
bin ich ein riss in den dingen der ordnung, ohne zusammenwachsen zu wollen?
sind meine taten und gesten bloß immer wieder entzündungen entlang des risses, 
aufkratzen und (sich) aufkratzen lassen?

>>> was bedeutet für dich selbstwertgefühl?
man hört so vieles drüber
liest davon
erleichternd zuzugestehen, das ein >gutes< selbstwertgefühl für ein lebenswert gelebtes leben essentiell ist. grund-legend. nun, wir haben uns sprachlich auf "selbstwertgefühl" geeinigt. als wäre es selbstverständlich, was es doch ist; aber "selbstverständlich" ist ebenso eine sprachliche abmachung.
ja, vielleicht entferne ich mich immer mehr von dieser einigung, indem ich sie reflektiere. vielleicht bedeutet mein reflektieren umstände und brechungen, ganz einfach kompensieren, nichts verbindliches und nichts nützliches, und zudem etwas selbstverständliches.
ich nehme mir also recht dazu, wo es mir nicht unbedingt von jeder seite zusteht, weil es genug >gute< gründe gibt, warum wir solche einigungen brauchen und gebrauchen.
wie viel wir doch füreinander machen.
vielleicht
 -und das trifft mich im kern meines wesens, solltest du wissen, sofern du es nicht spürst, wovon ich nicht ausgehe und was ich auch nicht verlange, weil in einem solchen verlangen ein widerspruch zu meiner ethischen einsicht entsteht, und diese einsicht selbst ist ambivalenter als der widerspruch-
es trifft mich im kern meines wesens, das heißt im bewussten kern, freigelegt von alltäglichen pufferschichten, die wir biologische anlage, kultur, gesellschaft, psyche, herkunft, usw. zu bezeichnen gelernt haben;
also es fühlt sich so an, als noch dazu ich jene schichten freigelegt hätte, weggeschabt und ausgeblendet, es zumindest glaube, wo es doch nicht geht, denn was bleibt übrig?
Ich – wie bereits erwähnt – ein riss, ein ventil, ein gemischtes – vergiss das nicht
Ich glaube also diese schichten gelüftet zu haben… welchen aggregatzustand haben diese schichten bloß? Flüssig, krustig? Sie sind nämlich durchlässig und mehrwertig, oder zumindest kontingent, oder.. das auch noch!
Aber darunter gibt es einen kern,
ich glaube, der kern liegt doch nicht darunter, es ist wohl das verdichteste moment der schichten zu einem lebenszeitlichen augenblick, und dieses moment habe ich „kern“ genannt,
-ohne kerne keine früchte, ohne kerne keine bäume, doch beißt du darauf, schmerzt der zahn, oder du schmeckst bitterstoffe, oder du spuckst sie gleich aus, oder noch besser – du hast bereits von kernen befreite früchte, die lassen sich auch besser verarbeiten und konsumieren – oder du schluckst sie, sofern sie klein sind, doch: es gibt auch kernfrüchte, wie himbeeren, wo es nur manche stört, so klein und süß schmecken die kernfruchtstückchen, da macht es spaß zu schlucken, sie auf der zunge zu spüren, anstatt in sie zu beißen,
 auf der zunge, ohne die sprechen nicht möglich, küssen geht auch ohne zunge, durchaus, obwohl – wenn sprechen mitteilen und austauschen bedeutet, brauchen wir nicht die zunge, >wie wir wissen<, da gibt es so etwas wie körpersprache und außerdem – man denke doch an gehörlose leute, [„taubstumme“ – wo sie doch weder ganz taub noch stumm waren, und schon gar nicht beides, der ganze körper spricht und die umwelt zu ihnen – manche menschen sind viel unfähiger zu reden zu hören als gehörlose selbst…]
wir erfahren von menschenschicksalen durch sprache, es gibt so viele fälle von menschen, die als sprachbeispiele dienen
wir schaffen es sie aufzuzählen, und brauchen sie nicht einmal persönlich zu kennen, wie wir meinen und zeigen, wir schaffen solche beispiele von menschen zu finden oft werden sie uns sogar gegeben, ohne dass wir danach suchen
ja es wird sogar verlangt beispielsweise in der schule dass wir solche menschlichen sprachbeispiele anwenden um zu demonstrieren mit glück gelingt dies überzeugend wie viel wir doch nicht wissen und dass wir über dinge wie krebs oder drogensucht oder/und/bzw.  liebe oder den blutkreislauf oder
bücher, ja viele viele bücher von verschiedenen oder einem autor oder einem verschiedenen autor oder/und in verschiedenen hinsichten reden können und schreiben können
erfolgreich sind wir wohl dann, wenn uns jemand darin als solches benotet; natürlich wäre es wichtig, wenn wir selbst nachvollziehen, dass wir eine überzeugende arbeit abliefern, so verstehen wir wohl besser die gegebene note, manchmal ist das ganz und gar nicht der fall
wir lernen ja, welche kriterien eine arbeit erfüllen muss, oder, diese kriterien müssen wir nicht mal einsehen, sie scheinen gerechtfertigt, nützlich, glücklicherweise ausbaufähig und variabel, wie man uns immer mehr versichert, sofern wir uns dafür interessieren und nachfragen (aber selbst das ist keine voraussetzung) – wir lernen darüber zu disktutieren und bilden sogar das eine oder andere mal persönliche bezüge zu einem gegenstand (verbessert die erinnerungsfähigkeit, oder?) – das bedeutet und bezeugt doch interesse, also dass man persönlichen bezug zu einem gegenstand herstellt – aus interesse >natürlich<, echtem interesse … wir lernen, dass man kriterien nun verwerfen und angreifen kann, aus >berechtigten< gründenn, dass sie nicht allgemeingültig sind (wo kommen wir sonst hin?) – schon gar nicht für jeden einzelnen oder jedes einzelne –
nun gut,
wir haben überall kriterien
zugleich nicht jederzeit ersichtlich und nicht expliziert, oder?
Wenn sie nicht abrufbar sind, welchen knopf müssen wir den drücken, um sie zu abzurufen?

Wie du siehst,
du siehst es doch, oder?
Du zerfällst in kriterien
Du arbeitest mit kriterien
Du ersetzt kriterien zeitweise, fallweise durch neue
[>Der mensch< macht sich zum kriterium]
Manchmal, ich versichere es dir, bist du bloßer gegenstand in reihen von fallbeispielen, unendliche reihen, folgenschwerer und folgenreicher als du vermutest, vielleicht,
ich sage so gern vielleicht, auch wenn ich es in gewissen zuständen nicht müsste und nicht will
als wäre ein souffleur am werk, und mein mund mit einem band zugeklebt, die stimme des souffleurs sich ganz >selbstverständlich< über meine legend und niemand merkte den unterschied
als würde man mich, einen riss, zuspachteln, risse sind doch eher unerwünscht,
als würde ich zusehen, wie ich zugenäht werde, vielleicht mit selbstverständlicher sorgsamkeit,
man würde mich doch nicht verbluten lassen,
und sind meine entzündungen nicht ansteckend, so möchte man sie am liebsten desinfizieren, entzündungen sind nicht erwünscht und gar kein gutes zeichen, oder?
Doch sind entzündungen notwendig, sie schleudern störenfriede im organismus heraus, sie deuten darauf hin, dass etwas den frieden stört, etwas innerlich nicht passt – und es muss raus, entzündungen sind das sichtbare ausdrücken von stoffen, die den organismus an seiner natürlichkeit hindern,
dabei kosten sie den organismus viel kraft, so dürfen sie nicht auf dauer bleiben, sonst verursachen sie womöglich schaden, einen noch größeren, als die schlechte materie selbst
nun
warum wendet man dann seinen blick auf meine bilder? Stellt man nicht dadurch den einen oder anderen oder wiederum völlig anderen bezug her?
Nein, denn –
Ich kompensiere nur
Ich erschaffe nur auf und dank unterbau
Ich mache mir das leben schwerer und komplizierter, als es ist, wie man so sagt
Ich probiere keine neuen techniken aus
Ich habe keine normale arbeit
Meine bilder sind kompensationen, soziale zufälle und beispiele für kreativität, gezähmte exzesse und unmissverständliche zeugnisse von aufgenommenen ideologien, huldigungen an den äußeren und inneren ästhetikwahn, synergien eines sozialismus,
man kann meine bilder erklären, man kann sie anschauen
sie können ablenken und faszinieren, habe ich vernommen
machen wir keinen halt
wir kennen die mythen um das unsagbare,
um das unvergleichliche,
um das einzigartige,
darüber wurde so viel gesagt
was ohnehin auch gesagt wurde
aus-gesagt
sag nun etwas aus über mich
ich will nur noch aus aussagen bestehen
aus reduktionen und formeln, die ansprechend wirken
und finde dann eine zusammenfassende aussage über mich – menschen fassen doch so gern zusammen:
„wie geht es dir?
„beantworten sie zwei von drei prüfungsfragen“
„worüber handelt das buch?“
„warum bewerben sie sich bei uns?“
„was meinst du?“
Und vergleiche diese aussage mit anderen, vielleicht findest du, dass etwas noch besser klingen könnte, aber übernimm dich nicht, vielleicht siehst du ein, dass deine aussage nicht vollständig genug war, vom vokabular her nicht korrekt, wenn auch grammatikalisch und inhaltlich einwandfrei,
und reihe sie ein, deine umfassende aussage über mich, in deine übrige aussagensammlung

und ich werde es dir nicht verübeln,
eine aussage zeugt von interesse;

was sagst nun das wort >selbstwertgefühl< aus?
Hast du es mit anderen aussagen erfolgreich abgeglichen?
So merkt man doch, das abgleiche von aussagen kennt kaum harmonie, auch wenn man insgeheim dabei einverständnis der anderen oder eines anderen oder mit sich selbst anstreben möchte, oder..?
Denke an die kriterien
Denke an den >kern<
(was ich dazu vage vorher ausgesagt habe)
Und denke daran, dass dieses denken nicht reicht
Es ist weder genug noch ungenügend,
weder vorübergehend noch konstant
und das sage ich in verkürzten gegensatzpaaren
weshalb ich weiß, dass verstehen nicht möglich, und einsehen erst recht nicht;
ich werde weiterhin meine kernartige verdichtung zerbröckeln
füge in meine schale mehr dreck hinein, damit die perle wächst, ist sie auch noch so perfekt und gereift und abgeschlossen, die handlung ist umso grausamer und sinnfreier,
zwang im drift,
ich werde weiterhin die naht um meine rissgrenzen aufreißen und darübernähen, mit fäden aus eisen oder salz – es soll brennen oder rosten, es soll bluten,
und ich werde weinen und mich schämen,
dabei bewunderung erhalten,
meine bilder sind urkunden dieses lebens
mein bestmögliches ein grundsatz, der immer wieder nach rechtfertigung dürstet – berechtigterweise –
meine art ist durchtränkt von undankbarkeit, nicht stilisiert, von schizophrener natur, und dafür schäme ich mich und liebe trotzdem, weil ich an ein jeweilig gutes in einem menschen glaube, es so weit wie möglich seiner schlüssigkeit unterziehen will, seine natur nicht mit sprachlichen >einigungen< beleuchten möchte. Es ist nicht alles sprache.
[kennt das unterbewusste tatsächlich keine verneinung?]
Ich bin ein natürlicher reflex im sozialgefüge
Asympothische annäherung an das selbst
Krank, geld oder normalität als wertmaßstab anzuerkennen
Mein wert ist ästhetisch-moralisch
Und gefühl, das ist schwebe, unklar, zwischen welchen positionen
Mein selbst-wert-gefühl

„es tut mir nicht leid.“